🌐 Auswertung
➡️ Bestimmung der Trägheitsmomente \(\theta_{x}^{\prime},\,\theta_{y}^{\prime},\,\theta_{z}^{\prime}\)
Die Trägheitsmomente \(\theta_{x}'\), \(\theta_{y}'\) und \(\theta_{z}'\) des kardanisch gelagerten Kreisels lassen sich aus den Messungen der Aufgaben 2.1 und 2.2 auf zwei Methoden bestimmen:
- Methode-1: Sie betrachten alle Messungen als unabhängig und extrahieren die gesuchten Größen daraus Schritt für Schritt.
- Methode-2: Sie passen mit Hilfe der
Multifit-Funktion aus kafe2, ein gemeinsames zugrundeliegendes Modell gleichzeitig an alle Messungen an.
Tipp
Methode-2 ist zwar technisch anspruchsvoller, es ist jedoch die bessere Methode, weil sie es erlaubt, alle Messpunkte gleichzeitig für die Bestimmung der gesuchten Parameter zu nutzen.
Nach Methode-1 kann man immer nur einen Bruchteil der aufgezeichneten Messpunkte zur Bestimmung einzelner Parameter nutzen, deren individuelle statistische Unsicherheiten dadurch größer sind.
➡️ Methode-1
Schritt-1:
Hierbei nutzen Sie, im Rahmen von Aufgabe 2.1, zunächst die Messung von \(\omega_{N}\) als Funktion von \(\omega\) zur Berechnung von \(\theta_{x}'\) nach Gleichung (2) hier:
Dabei nutzen Sie die Messung einmal mit und einmal ohne Zusatzgewichte**, um die Ambiguität zwischen \(\theta_{x}'\), \(\theta_{y}'\) und \(\theta_{z}'\) in der Steigung der jeweiligen Ursprungsgeraden aufzuheben.
Zunächst bestimmen Sie die Steigungen \(\mu_{1}\) und \(\mu_{2}\) mit und ohne Zusatzgewichte:
wobei \(m_{\mathcal{Z}}\) der Masse und \(d_{\mathcal{Z}}\) dem Durchmesser der jeweils baugleichen Zusatzgewichte und \(\ell_{\mathcal{Z}}\) dem Abstand der Schwerpunkte der Zusatzgewichte von der Symmetrieachse des Kreisels entsprechen.
Tipp
Sie finden diese Informationen im Datenblatt zum Versuch.
\(\theta_{\mathcal{Z}}\) ergibt sich aus der Anwendung des Satzes von Steiner für zwei Zusatzgewichte.
Aus dem Quotienten
lässt sich \(\theta_{x}'\) bestimmen.
Schritt-2:
Das Trägheitsmoment \(\theta_{z}'\) lässt sich aus der Messung aus Aufgabe 2.2 nach Gleichung (2) hier bestimmen:
wobei \(m_{\mathrm{Stab}}\) der Masse und und \(s\) dem Abstand des Schwerpunkts des Stabs vom Schwerpunkt des Kreisels und \(g\) der Erdbeschleunigung entsprechen.
Tipp
Angaben zu \(m_{\mathrm{Stab}}\) finden Sie im Datenblatt zum Versuch. Aus \(\kappa\) erhalten Sie \(\theta_{z}'\) aus der Gleichung:
Schritt-3:
Mit dem Wissen um \(\theta_{x}'\) und \(\theta_{z}'\) können Sie nun \(\theta_{y}'\) am einfachsten aus der zuvor bestimmten Steigung \(\mu_{1}\) bestimmen:
Hinweis
Achten Sie bei einer Berechnung der Trägheitsmomente nach dieser Methode auf die korrekte Fortpflanzung aller Unsicherheiten einschließlich der Bestimmung systematischer Unsicherheiten!
➡️ Methode-2:
Für die Bestimmung von \(\theta_{x}'\), \(\theta_{y}'\) und \(\theta_{z}'\) nach Methode-2 übergeben Sie die Datenpunkte aus den Aufgaben 2.1 und 2.2 an die MultiFit-Funktion aus dem Programm-Paket kafe2 und definieren die Modelle direkt nach Gleichung (2) hier und Gleichung (2) hier.
Tipp
- Ein Beispiel für die Nutzung der
Multifit-Funktion finden Sie in der offiziellen Dokumentation des kafe2-Programmpakets hier. - Eine lauffähige Adaption mit weiteren Erklärungen finden Sie hier.
- Zur Implementierung eines geeigneten Objekts der
MultiFit-Klasse sollten Sie zweiXYFit-Objekte zu den Modellen \(\omega_{N}^{(1)}(\omega, \theta_{z}', \theta_{y}', \theta_{z}')\) und \(\omega_N^{(2)}(\omega, \theta_{z}', \theta_{y}', \theta_{z}', \theta_{\mathcal{Z}})\) für die Messungen der Nutation und \(j\)XYFit-Objekte zu den Modellen \(T^{(j)}(\omega, \theta_{z}', m_{\mathrm{Stab}}^{(j)}, s^{(j)}, g)\) für die Messung(en) der Präzession definieren, wobei \(j\) den verwendeten Konfigurationen mit zusätzlichem Gewicht am Stahlstab entsprechen. - Geben Sie für jedes
XYFit-Objekt auch die Unsicherheiten auf \(\omega\) individuell an. - Da es sich bei jeder Messung um neu aufgenommene Messpunkte handelt sind die Unsicherheiten zu verschiedenen
XYFit-Objekten (im Gegensatz zum oben verlinkten Beispiel einer Strom-Spannungs Kennlinie) nicht korreliert. - Nach erfolgreicher Implementierung erhalten Sie die Zentralwerte \(\theta_{x}',\ \theta_{y}',\ \theta_{z}'\) und Unsicherheiten auf \(\Delta\theta_{x}',\ \Delta\theta_{y}',\ \Delta\theta_{z}'\) aus der Anpassung.
➡️ Bestimmung der Masse des Rotors
Die Masse des Rotors können Sie aus der Annahme abschätzen, dass dieser in erster Näherung einem flachen Zylinder entspricht. Daraus besteht der folgende Zusammenhang
wobei \(M_{\mathrm{Rotor}}\) der Masse und \(d_{\mathrm{Rotor}}\) dem Durchmesser des Rotors entsprechen. Aus der Kenntnis von \(\theta_{z}'\) und \(d_{\mathrm{Rotor}}\) lässt sich auf diese Weise \(M_{\mathrm{Rotor}}\pm\Delta M_{\mathrm{Rotor}}\) abschätzen.
Tipp
Angaben zu \(d_{\mathrm{Rotor}}\) finden Sie im Datenblatt zum Versuch.